Tabuthema Wochenbettdepression


Mit Hilfe und Verständnis aus dem Tief
Tabuthema Wochenbettdepression

Von frischgebackenen Müttern wird erwartet, dass sie glücklich sind. Frauen, die eine Wochenbettdepression durchleben, empfinden anders und machen sich deshalb schwere Vorwürfe. Mit der Unterstützung ihres Umfelds finden sie leichter aus dem Tief.

Die Geburt eines Kindes gilt als Inbegriff des Glücks und der Hoffnung. Doch für manche Mütter beginnt mit der Niederkunft eine Zeit schwerer Niedergeschlagenheit. Rund 100.000 Frauen erkranken jährlich an einer Wochenbettdepression: statt des erwarteten Hochgefühls empfinden sie innere Leere. Sie fühlen sich antriebs- und appetitlos, leiden unter Schlaflosigkeit, schweren Schuld- und Angstgefühlen. Anders als der Babyblues, der meist nach zwei Wochen von selbst abklingt, hält die Wochenbettdepression oft über mehrere Monate an. Im schlimmsten Fall führt sie in den Selbstmord.

Wochenbettdepression hat zahlreiche Ursachen

Eine Geburt bringt grundlegende Veränderungen mit sich. Einige Mütter reagieren auf dieses einschneidende Ereignis mit einer Wochenbettdepression. Bei anderen Frauen lösen traumatische Geburtserlebnisse oder die Hormonumstellung die Erkrankung aus. Manchmal ist die Wochenbettdepression auch als Fortsetzung bereits bestehender psychischer Erkrankungen zu verstehen.

Psychologische Hilfe ist dringend notwendig

Im Bewusstsein, ihrer Mutterrolle nicht gerecht zu werden, machen sich die Frauen schwere Selbstvorwürfe. Das schadet nicht nur ihnen selbst, sondern auch der Entwicklung ihres Kindes. „Daher ist es entscheidend, dass eine Wochenbettdepression so rasch wie möglich diagnostiziert und behandelt wird – zum Schutz von Familie, Partnerschaft und vor allem auch dem Neugeborenen“, betont Peter Schuster vom Serviceteam der KKH Dortmund. 

Betroffene sind auf die Mithilfe ihres Umfelds angewiesen

„Der erste wichtige Schritt ist, sich einzugestehen, dass die eigene Seele Hilfe braucht“, weiß Peter Schuster. An zweiter Stelle kommt der Gang zu Arzt oder Psychologen. Meistens haben die Betroffenen jedoch Schwierigkeiten, das Tabu zu brechen und ihre Erkrankung anzusprechen. Leichter fällt der entscheidende Schritt, wenn die Frauen auf das Verständnis und die Mithilfe ihres Umfelds zählen dürfen. Gefragt sind Partner, Familie und Freunden. Ihre Aufgabe ist es, die junge Mutter zu unterstützen, zu entlasten, sie mental aufzubauen und ihr das Gefühl zu vermitteln, verstanden zu sein. Haben die Frauen erst den Zugang zu professioneller Hilfe gefunden, erzielen Psychotherapie und Psychopharmaka gute Erfolge. Patientinnen mit Suizidgedanken benötigen einen Klinikaufenthalt.  

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